Industriegeschichte Oberrieden

Oberrieden weist als kleinere Gemeinde zwischen Thalwil und Horgen einen eher bescheidenen Industrieanteil im Produktions- und Fertigungssektor auf. Als Ableger des Flugplatzes Dübendorf stand hier von1921 bis 1935 die Flugzeugfabrik Comte.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren einzelne Industriefirmen aufgrund der Nähe zu Zürich und den topographischen Vorteilen in Oberrieden ansässig, meistens in der Nähe des Sees erbaut, um die Wasserkraft nutzen zu können.

Heute sind es mehrheitlich Klein- und Mittelbetriebe im Dienstleistungssektor. Produzierende Industrie gibt es in Oberrieden nur im kleinen Bereich und gehört eher zum Kleingewerbe (z.B. Flötenherstellung).

Industriebetriebe

«COMTE» FLUGZEUGFABRIK

Im Dezember 1920 machte sich Alfred Comte mit der «Luftverkehr und Sportfliegerschule Horgen» selbstständig. In Dübendorf standen ihm drei Schulflugzeuge, in Oberrieden bis sechs Flugboote zur Verfügung.

1921 gründete der damals 26-jährige Chefpilot in Oberrieden die Firma «Alfred Comte, Schweizerische Flugzeugfabrik» und liess zwei Montagehallen mit Werkstätten bauen. Die Belegschaft wuchs auf 25 erfahrene und zuverlässige Fachkräfte an.

Aufgrund starker Konkurrenz musste Comte schon 1935 Konkurs anmelden und die Fabrik Anfangs Sommer schliessen. Insgesamt wurden in der Zeit von 1923 bis 1935 46 Flugzeuge in Oberrieden hergestellt.

INDUSTRIE «IM RIED»

Das 1853 erbaute Fabrikgelände im Ried wurde bis 1965 durch verschiedene Betriebe bewirtschaftet:

Den Beginn machte die Seidenfärberei Johannes Ammann. Die Seidenweberei eröffnete ihren Betrieb um 1855. Im Jahre 1880 wurde die Weberei erweitert.

Die heutige bekannte Fabrik für Schulbedarf, die Firma Hunziker AG Thalwil, begann 1890 im Ried mit einer mechanischen Schreinerei, welche 1876 gegründet wurde.

Eine Parkett- und Chaletfabrik, mit Hauptsitz in Interlaken, war von 1896 bis 1912 im Ried als Filiale eingemietet.

Die Zürcher Ziegeleien AG, 1865 als Mechanische Backsteinfabrik Zürich gegründet, wurde von 1913 bis 1965 als «Betonbalkenfabrik» betrieben.

INDUSTRIE «IN DER SEEHALDEN»

Das 1895 erbaute Fabrikgebäude in der Seehalden wurde bis 1971 durch die nachfolgenden Betriebe bewirtschaftet:

Karl Blind aus Württemberg baute 1895 die dreistöckige «Glaserei und Fensterfabrik K. Blind». Später erfolgte ein Teil der Fabrik an die Seidenwirkerei Liebeskind (spätere Sax-Fabrik beim unteren Bahnhof).

Von 1911 bis 1924 übernahm die Firma E. Baumann die Fabrik für die Fabrikation von Kindermöbeln und Holzwaren.

1910 übernahm Jakob August Peter die von seinem Vater 1894 gegründete Biscuit-Fabrik. Er verlegte die Fabrik 1924 in die Seehalden. Der Vertrieb der Produkte, mit einem Personalbestand bis zu 130 Angestellten, erfolgte mit einem beachtlichen Teil der Produktion in alle fünf Erdteile. Die Geschäftsaufgabe erfolgte 1971.

Text: Markus Stauffer, Leiter Dokumentationsstelle Oberrieden, 9.6.2026
Bilder: Dokumentationsstelle Oberrieden

Weitere Informationen: Ortsmuseum Oberrieden

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