Industriegeschichte Männedorf
Männedorf kann auf keine grosse Industriegeschichte zurückblicken. Wichtiger sind hier stets andere Wirtschaftszweige gewesen: Die Landwirtschaft, das örtliche Gewerbe und Handwerk und vor allem Institutionen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen. Gleichwohl hat die Industrialisierung auch in Männedorf ihre Spuren hinterlassen.
Schon im 18. aber vor allem im frühen 19. Jahrhundert entwickelt sich die Fischottergemeinde zu einem wichtigen Standort der Heimindustrie. Aus diesen Anfängen gehen verschiedene kleinere Textilfabriken hervor. Lange können sich diese im harten Konkurrenzkampf nicht halten. Die kleinen Männedörfler Bäche liefern nicht genug Energie, was ein Wachstum der kleinen Fabriken verhindert. Nur ein einziges Unternehmen, der Jaccard-Seide produzierende Seiden-Brunner, ist bis in die 1930er-Jahre erfolgreich.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert verbleiben Unternehmen, die sich erfolgreich in Nischen ansiedeln: Die Orgelfabrik Kuhn, die bis heute zu den führenden Orgelbauern der Schweiz gehört, die Gerberei Staub & Cie AG oder die Putztuchfabrkation von Karl Heinrich Pfunder. Diese drei Firmen bilden die Brücke zur Unternehmensgeneration, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Männedorf niederlässt. Es sind primär Firmen aus der der Metall- und Maschinenindustrie sowie dem Hightech-Bereich.
Industriebetriebe
Die Gerbi – während Jahrzehnten
die grösste Arbeitgeberin
Die im Volksmund nur als Gerbi bekannte Firma Staub & Cie. AG ist lange Zeit die einzige grössere industrielle Arbeitgeberin in Männedorf. Die Anfänge des Unternehmens liegen in der Seidenproduktion, bevor es im ausgehenden 19. Jahrhundert mit der Produktion von Treibriemen und Webstuhl-Ersatzteilen aus Leder beginnt. Am Übergang zum 20. Jahrhundert beginnt die Firma mit der industriellen Lederproduktion und steigt zur internationalen Marktführerin auf. 1972 muss sie die Lederproduktion einstellen. Heute konzentriert sich das Unternehmen als Staub Holding AG auf die Verwaltung der eigenen Liegenschaften und der Familienbeteiligungen an anderen Unternehmen.
Bild: Archiv der Kulturschür Männedorf
Ernst Grob AG – alles beginnt
mit fünf Mitarbeitern
Männedorf ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen. Wie zum Beispiel der Ernst Grob AG. 1950 kehrt Dr. h.c. Ernst Grob nach erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit in München in die Schweiz zurück- zunächst nach Dietikon. Hier forscht er unter anderem im Bereich der Kaltumformung. 1957 gelingt ihm die Entwicklung einer Kaltwalzmaschine. 1959 zieht er mit fünf Mitarbeitern nach Männedorf und baut hier eine kleine Fabrik. Daraus entsteht Schritt für Schritt ein mittelständisches Unternehmen mit deutlich über 100 Mitarbeitenden. Die in Männedorf und Oetwil am See hergestellten Kaltwalzmaschinen und Stanzmaschinen geniessen weltweit einen ausgezeichneten Ruf.
Bild: Ernst Grob AG
Tecan AG – führende Lösungen
für die LifeScience-Industrie
Auch wenn die Tecan AG erst seit 2001 in Männedorf ist, so gehört sie gleichwohl zu den prägenden Unternehmen des Fischotterdorfes. Die Tecan AG zählt zu den weltweit führenden Spezialisten für Laborautomationsgeräte sowie Mess- und Analysegeräte im Bereich LifeScience. Gegründet wird das Unternehmen 1980 durch vier Ingenieure in Hombrechtikon. 2001 zieht sie an die Seestrasse 103 in Männedorf. Die Geschichte der Tecan ist geprägt durch rasantes Wachstum, der weltweiten Gründung von Niederlassungen, dem Kauf und Verkauf von Firmen und verschiedentlichem Wechsel im Aktionariat. Bis heute aber steht die Tecan-Gruppe auf einem soliden Fundament.
Bild: Archiv Kulturschüür Männedorf