Industriegeschichte Uetikon

Die Industriegeschichte von Uetikon ist mit zwei Unternehmen verbunden. Auf die Heimarbeit im 18. Jahrhundert folgte während über 200 Jahren die Produktion chemischer Güter am Zürichsee. Später machten im Dorf Erfindungen zur Hydraulik im Lastwagensektor Schlagzeilen.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des Übergangs von der gewerblichen zur industrielen Produktion. Die meisten Kleinbetriebe gerieten ab 1850 in die Krise wegen der über­mächtigen Konkurrenz auslän­discher Betriebe. «Chemische Industrie» bedeutete in diesem Zusammenhang nicht Mechanisierung oder gar Fliessband-Produktion; es waren die Grössen der Öfen und die Menge an Material, die die Dimension der gewerblichen Produktionsweise sprengten. Die so entstandene «Grosschemie» unter der Eigentümerfamilie Schnorf bestimmte 150 Jahre lang die Entwicklung des kleinen Dorfes. Uetikon wurde daher im Volksmund oft als «Schnorfi­kon» bezeichnet. 

Im Schatten der Chemiefabrik entwickelte sich in Uetikon eine besondere Sparte der Transportindustrie. Hydraulische Kippvorrichtungen aller Art, speziell für Last- und Bahnwagen, fanden den Weg von Uetikon bis nach Südamerika. Man produzierte transportable Container, nicht zuletzt, um den wachsenden Problemen mit der Abfallentsorgung zu begegnen.

Wenig bekannt ist über die in den 1930-er Jahre gegründete Maschinenfabrik Uetikon. Während rund dreissig Jahren produzierte sie direkt am See landwirtschaftliche Maschinen und andere Güter.

Industriebetriebe

EIN FAMILIENBETRIEB ÜBER 7 GENERATIONEN

Obschon der Standort am See ungeeignet war für die Herstellung von Grundchemikalien, schaffte es die Familie Schnorf, das Unternehmen Jahre lang am Markt zu halten. Dank der Langlebigkeit und dem erfolgreichen Geschäftsgebaren gebühre der Firma ein «Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern», schreibt der Historiker Matthias Wiesmann 2018. Sie habe den Schwefelsäuremarkt in der Schweiz weitgehend beherrscht, Konkurrenten aus dem Feld geschlagen und die Produktion rationalisiert.

Heute ist die Firma CPH mit Sitz in Perlen LU weltweit in der Chemie-, Papier- und Verpackungsbranche aktiv. Eine Tochterfirma UBV bietet in Uetikon Immobilien-Dienstleistungen an. Das Stammwerk am Zürichsee, in seiner baulichen und örtlichen Art längst aus der Zeit gefallen, wurde an den Kanton Zürich verkauft. Auf dem weiten Gelände entstehen Schulen, Wohnungen, kulturelle und sportliche Einrichtungen sowie Gastronomie.

Bild: Chemische Fabrik Uetikon, Archiv CFU, 1952

HYDRAULIK FÜR DEN TRANSPORT

1919 erfolgte die Gründung der Firma Wirz-Kipper in Stäfa, die wenig später nach Uetikon übersiedelte. Wie die Chemie entwickelte sich die Unternehmung aus bescheidenen Anfängen zu einer innovativen und für schweizerische Verhältnisse bedeutenden Unternehmung. Ab 1923 wurden im Kleindorf die ersten Kipper für Lastwagen gefertigt und diese Dreiseiten-Kipper waren gefragt. Mit der späteren Entwicklung von Muldenkippern konnten lange Wartezeiten umgangen werden, da diese vom Lastwagen getrennt abgestellt wurden.

Das erworbene Know-how fand in unzähligen Anwendungen und Erfindungen einen breiten Niederschlag in der schweizerischen Nutzfahrzeugindustrie. Im Jahr 1983 wurde die letzte LKW-Produktion bei der Firma Saurer in Arbon aufgegeben. Es war das Ende der Uetiker Hydraulik-Aera.

Bild: Jubiläumsbroschüre  Firma Ernst Wirz, 1976

MASCHINENFABRIK UND MESSERSCHMIEDE

Noch näher bei der gewerblichen Produktion ist die Messerschmiede Pfenninger in der Liegenschaft der alten Mühle, die ein beeindruckendes Produkte-Portfolio aufwies.

Von der Maschinenfabrik Uetikon an der Seestrasse, Ende der 1930er Jahre von der Familie Reimann gegründet, ist nur wenig bekannt. Pumpen für die Landwirtschaft und andere mechanische Produkte wurden in der Art der Manufaktur hergestellt; sie sind Zeuge des handwerklichen Geschicks und Fleisses. Den Gesetzen der Serienproduktion grosser Konkurrenten konnten sie nicht standhalten. In einem Inserat der Fabrik las man: «Ist Ihre Mosterei in Ordnung? Wir besorgen Ihnen rasch und billig jede Reparatur an Obstmühlen, Obstpressen und ersetzen defekte Steinwalzen, Vorschneidemesser etc.». Anfang 1960er Jahre schloss der Betrieb seine Tore.

Bild: Maschinenfabrik Uetikon, aus: Fritz Steiger, Miis Uetike, 1986

Texte: Erich Stark und Rolf Käppeli

Weitere Informationen: Uetiker Museum

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