Industriegeschichte Meilen
Während 80 Jahren, von 1890 bis 1970, ist Meilen vor allem ein Gewerbe- und Industrieort. Bis zu 70 % aller Beschäftigten sind im zweiten Sektor beschäftigt.
Auslöser für diese wirtschaftliche Entwicklung ist die Eröffnung der Eisenbahnlinie Ende des 19. Jahrhunderts, beendet wird sie mit der allgemeinen Wandlung der Schweizer Wirtschaft zur Dienstleistungsgesellschaft ab den 1970er Jahren.
Viele Fabriken und Industrien (Kaffee Hag, Häny, Schmid, Vernicolor usw.) sind inzwischen aus Meilen verschwunden. Die Delica, eine Tochterfirma der Migros, ist als bedeutender Arbeitgeber dem Standort Meilen treu geblieben.
Industriebetriebe
AUCH MEILEN HATTE SEINE SEIDENINDUSTRIE
Im 19. Jahrhundert entstehen und verschwinden in Meilen immer wieder kleinere Baumwoll- und Seidenwebereien. Am längsten besteht die 1891 gegründete Seidenweberei Baumann & Fierz, später Hans Fierz. Ab 1915 befindet sich der Produktions- und Handelsbetrieb an der Winkelstrasse 37. Rohseide wird zu Seidenkrawatten und -Foulards für die Schweiz und Nachbarländer und zu Kopftüchern für Afrika verarbeitet.
Designerfragen, der Biafrakrieg und Nachfolgeprobleme führen 1975 zum Ende der Produktion. Anstelle der ehemaligen Weberei steht dort seit 1987 ein Wohn- und Gewerbehaus.
Bild: Die Spinnerei Hans Fierz im Winkel
KAFFEE HAG, EINE WELTMARKE
1909 gründet die deutsche Kaffee Handels AG eine Tochtergesellschaft in der Schweiz. Diese übernimmt 1917 das Gebäude der Weinhandlung Egli beim Bahnhof Feldmeilen. Sie röstet dort Kaffeebohnen und produziert den koffeinfreien Kaffee Hag, Kaffee Solano und ab 1934 das Kakaogetränk Ka-Aba aus Kakao, Zuckerarten und Kalisalz.
1979 übernimmt die General Foods Corporation die Kaffee Hag und stellt die Produktion in Feldmeilen ein. Das ehemalige Fabrikgebäude beherbergt heute diverse Arztpraxen, Kleingewerbe und eine Schule.
Bild: Luftaufnahme der Kaffee Hag in Feldmeilen
DIE DESSERTFABRIK DER MIGROS
Die Midor AG, heute Delica AG, ist ein Unternehmen des Schweizer Detailhandelskonzerns Migros, der Biscuits, Glacen und Snacks entwickelt und produziert. Sie beliefert Kunden in der Schweiz und weiteren 19 Ländern. Ausserdem produziert die Midor zahlreiche Eigenmarken für die Migros und Grosskonzerne im In- und Ausland. Die 1928 gegründete Midor gehörte zur Gruppe der M-Industrie. An ihrem Standort in Meilen am Zürichsee beschäftigte sie rund 600 Mitarbeitende.
Die Migros-Industriebetriebe Delica, Chocolat Frey, Riseria Taverne und Totale Capsule Solutions wurden per 1. Juni 2021 mit Midor zur neuen Delica AG fusioniert. Die Delica ist die grösste Glace- und Biskuitproduzentin der Schweiz.
Bild: Verwaltungsgebäude der Delica AG an der Bruechstrasse
DIE GERBEREI WUNDERLY AM SEE
1613 wird erstmals eine Gerberei in Meilen erwähnt. 1723 kauft sie Heinrich Wunderly. Vor allem der Ausbau des Schweizer Heeres belebt im 19. Jahrhundert das Geschäft. Bis zu 40 Personen sind in der Gerberei beschäftigt. Die Häute kommen aus der Schweiz, wenige aus Übersee.
Nach dem 1. Weltkrieg wird das Militär-Budget gekürzt und damit fällt der Hauptkunde weg. 1930 wird die Produktion eingestellt. Nach dem Abbruch der Gebäude steht dort seit 1994 die Altersresidenz Tertianum.
Bild: Gerberei Wunderly im Winkel
Text: Ralph Weingarten und Michel Gatti (Verschwundene Industrien in Meilen, Ausstellung im Ortsmuseum Meilen 2021)
Bilder: Fotoarchiv Ortsmuseum Meilen und Kaffee Hag
Weitere Informationen: Ortsmuseum Meilen