Industriegeschichte Stäfa
Die Industrie in Stäfa begann im frühen 19. Jahrhundert. Damals erlebten mechanische Baumwollspinnereien eine kurze Blütezeit, bevor sich zwei grosse Seidenwebereien etablieren konnten.
Die Gründerwelle im Textilsektor hatte drei Ursachen: Erstens lebten in Stäfa wohlhabende Familien, die neue Einkommensquellen suchten. Zweitens brachte die Helvetische Republik ab 1798 die Handels- und Gewerbefreiheit auch für die ländlichen Gebiete. Drittens waren dank Heimarbeit Kenntnisse in der Verarbeitung von Baumwolle und Seide in der Region verbreitet.
Die Industriegeschichte von Stäfa ist geprägt von Wandel und Anpassung. Nach dem Niedergang der Textilindustrie entstanden neue Firmen in anderen Branchen. Besonders erfolgreich waren zunächst Unternehmen im Apparatebau und ab den 1980er Jahren solche der Medizintechnik und der Sensorik. Heute ist Stäfa ein wichtiger Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion von Spitzentechnologie. Internationale Fachkräfte und innovative Firmen sichern auch in Zukunft Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke.
Industriebetriebe
Ryffel-Jenny steigen in Seidenindustrie ein
Heinrich Ryffel diversifizierte 1805 vom Weinbau in die Baumwollspinnerei. Sein Sohn Benjamin stellte später auf Seide um. Die Firma liess Stoffe von Heimarbeitern weben und verkaufte sie mit Gewinn.
Durch Einheirat in die Glarner Textildynastie Jenny wuchs das Geschäft stark. 1872 errichtete Jenny-Ryffel in Stäfa eine der ersten mechanischen Seidenwebereien der Schweiz. Um 1900 arbeiteten in der in Jenny & Co. umbenannte Firma 300 Menschen in der Fabrik und 400 Heimarbeiter:innen in der Umgebung.
Eine zweite Seidenweberei, die Appenzeller-Herzog & Cie, entstand in den 1890er Jahren. Beide Firmen verloren aber in der Weltwirtschaftskrise und nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. In den 1950er Jahren stellten sie den Betrieb ein.
Bild: Briefkopf der Seidenweberei Jenny & Co. ums Jahr 1900
Neue Industrien sichern Arbeitsplätze
Ventilator AG (Gründung 1905, Umzug nach Stäfa 1917)
Die Firma stellte Anlagen für Lüftungs-, Klima- und Entstaubungstechnik her. Ende der 1950er Jahre beschäftigte sie rund 360 Mitarbeitende in Stäfa. 1995 stellte die «Venti» den Betrieb ein.
Fritz Nauer AG (Gründung 1937, in Stäfa bis 1968)
Das Unternehmen begann mit dem Handel von Naturschwämmen und spezialisierte sich später auf Schaumstoffe und synthetische Schläuche. Die Firma verlagerte ab 1968 ihre Aktivitäten sukzessive von Stäfa nach Wolfhausen. Dort beschäftigt sie heute als Tochter des US-amerikanischen Carpenter-Konzerns noch 120 Mitarbeitende.
Mettler Instrumente AG (Gründung 1945, Standort in Stäfa 1952–1990).
In Stäfa entwickelte und produzierte die Firma hochpräzise Waagen für Labors. Ab 1967 verlagerte Mettler den Betrieb sukzessive nach Greifensee und wuchs zum internationalen Mettler-Toledo-Konzern heran.
Hightech-Firmen prägen Stäfa
Stäfa Control System AG (SCS) (Gründung 1962)
Die Firma entwickelte Steuerungen für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen. In ihren besten Jahren beschäftigte sie rund 2’500 Mitarbeitende weltweit. 1998 wurde sie von Siemens übernommen, 2004 schloss der Standort Stäfa.
Phonak AG / Sonova Group (Gründung Phonak 1947, Sitz in Stäfa ab 1987)
Phonak ist eine führende Hörgeräteherstellerin. Die Sonova Group beschäftigt rund 18’000 Mitarbeitende weltweit, davon rund 1’280 in Stäfa.
Sensirion AG (Gründung 1998, Standort Stäfa ab 2005)
Sensirion entwickelt Sensoren für Autos, Medizintechnik und Industrie. Die Firma beschäftigt über 1’280 Mitarbeitende weltweit, davon rund 890 am Hauptsitz. Sie baut derzeit in Stäfa eine zweite Produktionsstätte, die 2028 in Betrieb gehen soll.